Sicherung der kurz- und mittelfristigen Liquidität unter Einbezug bestehender und neuer Kapitalgeber.


Bedingt durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben Sie seit Frühjahr 2020 Vereinbarungen mit Ihren Kunden, Lieferanten, Vermietern und Mitarbeitern getroffen. Sie haben steuerliche Sofortmaßnahmen mit Ihrem Steuerberater, arbeitsrechtliche Maßnahmen und die Bewertung insolvenzrechtlicher Themen mit Ihrem Juristen bewertet und bei Bedarf eingeleitet. Mit dem rollierenden Finanz- und Liquiditätsstatus Ihres Unternehmens auf Wochenbasis und die etwaige Simulation von Covenants und Baskets haben Sie Gespräche mit Ihren Kapitalgebern geführt. Anspruch auf einzelne oder verschiedene Hilfen aus dem Konjunkturpaket 2020 haben Sie geprüft und für Ihr Unternehmen in Anspruch genommen.


Viele Unternehmer haben den folgenden Leitfaden gerade in den ersten Monaten der Krise als persönliche Checkliste für Handlungsoptionen zur Stabilisierung ihrer Liquidität genutzt. Bestehende Kontakte und neue Mandanten habe ich bei der zielsicheren Umsetzung begleitet.


Der Leitfaden gibt Orientierung bei den Gesprächen mit Hausbanken, weiteren Finanzierungspartnern und öffentlichen Förderinstituten. Im Einzelnen erfahren Sie Wesentliches über:


1. Sofort umsetzbare Maßnahmen bei bestehenden Kapitalgebern

2. Zeitnah umsetzbare Maßnahmen mit neuen Partnern

3. Einbindung von Fördermitteln durch KfW und Bürgschaftsbanken

4. Empfohlene Unterlagen


Nach wie vor ergeben sich regelmäßig Änderungen. Deshalb ist dieser Überblick sehr fokussiert. Bei Interesse erhalten Sie zeitnah und zielgerichtet Informationen über wichtige Änderungen, von denen Ihr Unternehmen profitiert. Sichern Sie sich hier Ihren persönlichen Management-Brief. Zudem stehe ich für eine individuelle Bewertung Ihrer Situation und die Prüfung verschiedener Hilfen unverbindlich zur Verfügung.


1. Sofort umsetzbare Maßnahmen bei bestehenden Kapitalgebern


Passen Sie den Kapitaldienst an, indem Sie bei Ihren Kapitalgebern Tilgungsaussetzungen und Zinsstundungen beantragen. Das ist schnell umsetzbar und entlastet Ihre Liquidität sofort zu den anstehenden monatlichen und quartalsweisen Leistungsterminen. Eine Aussetzung/Stundung von drei bis sechs Monaten (im begründeten Einzelfall auch länger) ist in Krisensituation darstellbar. Die Entscheidungen trifft Ihr Finanzierungspartner i.d.R. im eigenen Haus. Die internen Kompetenzen wurden im Zuge der aktuellen Situation bei vielen Instituten erweitert. Die Maßnahme gilt nicht nur für Ihre Darlehn bei Kreditinstituten. Sprechen Sie auch mit Leasingpartnern und Eigenkapitalgebern. Sollten Sie bereits vor der Krise auf Wunsch der Bank/Sparkasse die kontrollierte Rückführung Ihres Engagements vereinbart haben, drängen Sie auf eine zeitliche Verschiebung.


Beantragen Sie bei Ihren langjährigen Hausbanken eine Ausweitung der bestehenden Kreditfazilitäten. Abhängig von Rating, Engagement-Volumen und Besicherung kann man Ihnen eine verbindliche Kreditzusage sehr schnell erteilen. Auch hier wurden die Kompetenzen vorübergehend ausgeweitet. So erhalten Sie zügig eine erforderliche Brückenfinanzierung. Achten Sie unbedingt darauf, dass neben der mündlichen Zusage für geduldete Kontoüberziehungen auch die schriftliche Vereinbarung getroffen wird, damit technische Überziehungstage Ihnen nicht für die Zukunft zusätzlich das Rating verschlechtern.


In den letzten Jahren durch Tilgungen freigewordene Sicherheiten sollten Ihnen bei Ihrem Antrag auf Engagement-Ausweitung zu Gute kommen. Überlegen Sie vor dem Gespräch mit Ihrem Kapitalgeber, welchen Beitrag Sie aus dem Privatvermögen (Eigenkapital oder Sicherheiten) leisten können und wollen und welche werthaltigen Zusatzsicherheiten Sie neu zur Verfügung stellen könnten.


Wenn sich etwaige Covenant-Breaches abzeichnen, sollten Sie Ihren Juristen hinzuziehen und über die Beantragung einer Aussetzung oder Stillhaltevereinbarung nachdenken. 



2. Zeitnah umsetzbare Maßnahmen bei neuen Partnern


In jedem Unternehmensstadium stehen alternative Finanzierungspartner zur Verfügung. Im Wesentlichen sind dies Factoring-Unternehmen, Leasing-Gesellschaften und Einkaufs-Finanzierer. Auch in dem schwierigen Jahr 2020 habe ich persönlich für meine Klienten neue Finanzierungspartner akquiriert und Implementierungen neuer Linien in die bestehende Finanzierungsstruktur erreicht. Für den Fortbestand eines Unternehmens kann dies eine sehr große Hilfe sein.


Ihre Bonität wird auch beim Einsatz dieser Instrumente stets geprüft. Bei Ihrem Unternehmen setzt man ein vor und nach der Krise tragfähiges Geschäftsmodell voraus. Aber auch bei schwächerer Bonität gehen diese Finanzierer ins Obligo, wenn die grundsätzlichen Parameter der Zusammenarbeit stimmen.


Bei der Risikobewertung stellen Leasing-Gesellschaften stärker auf das zu finanzierende Objekt als Ihre Hausbank ab. Diese Betrachtung kommt Ihnen jetzt bei Investitionen in neue oder gebrauchte mobile Güter zu Gute. Wenn Sie nicht neu investieren, können Sie durch den Einsatz von Sale-And-Lease-Back in einem Zug zusätzliche Liquidität für Ihr Unternehmen heben. Dieses Instrument wurde bereits in der Vergangenheit in Sondersituationen genutzt und hat in 2020 einen weiteren Ausbau erfahren.


Durch die Absicherung mit einer Warenkreditversicherung bewertet man beim Factoring das Risiko ebenfalls anders als ein Kreditinstitut. Beim Factoring sind die auf Ihre Debitoren gezeichneten Limite entscheidend und bei der Einkaufsfinanzierung stellt man auf das für Ihr Unternehmen übernommene Kreditlimit ab. Mit dem Einsatz dieser Instrumente können Sie neue Liquidität generieren und Ihre Ausfallrisiken reduzieren. In den vergangenen Monaten waren, bedingt durch die Situation, Limit-Anpassungen verschiedener Versicherer zu beobachten. Lassen Sie deshalb im Einzelfall Ihr in Frage kommendes Debitorenportfolio individuell prüfen.


Zur Stärkung der Finanzbasis können Unternehmer privates Kapital in ihr Unternehmen einlegen. Viele wägen hierbei ab, ob das Kapital dem Eigenkapital zugeführt wird oder die Bereitstellung als Gesellschafter-Darlehn (mit oder ohne Rangrücktritt/Belassungserklärung) erfolgt. Wenn das Privatvermögen investiert ist, steht nicht immer die ausreichende Liquidität zur Umwidmung in die Firma zur Verfügung. Sofern private freie Vermögenswerte vorhanden sind, können die erforderlichen Mittel unkompliziert refinanziert werden. Je nach Werthaltigkeit der Besicherung sind die Zinskonditionen hierfür sehr attraktiv. Beachten Sie unbedingt die Bedingungen der KfW, wenn Sie Mittel aus dem KfW Sonderprogramm 2020 beantragt haben.


Die Akquise von Investoren ist in Krisen grundsätzlich eine weitere sinnvolle Option. Nach wie vor ist dort ausreichend Liquidität für Investments verfügbar und bei Unternehmen mit nachhaltig tragbaren Geschäftsmodellen finden nach wie vor Aktivitäten statt. Sukzessive werden weitere Investoren und Business-Angels bereitstehen.


Ich empfehle Ihnen, bei der Sondierung und bei der Umsetzung aller genannten Optionen jetzt auf Ihre eigenen langjährigen persönlichen Kontakte zurückzugreifen oder den Berater Ihres Vertrauens einzubinden. Dann stellen Sie sicher, dass Sie ausschließlich mit seriösen Finanzierungspartnern sprechen, denn dieser Markt ist sehr vielfältig besetzt.



3. Einbindung von Fördermitteln durch KfW und Bürgschaftsbanken


Bestehende Programme für mittelständische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Einzelunternehmer und Freiberufler wurden teilweise angepasst. Gefördert werden Investitionen und Betriebsmittel in verschiedenen Unternehmensstadien. Unternehmen, die bis zum 31.12.2019 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren, können grundsätzlich auf die Sonderprogramme 2020 der KfW-Corona-Hilfe zurückgreifen.


Die Programme aus der KfW-Corona-Hilfe können bis zum 30. Juni 2021 abgeschlossen werden.


Ganz konkret sind das der "ERP-Gründerkredit (073/074/075/076/Unternehmensalter bis 5 Jahre)" und der "KfW Unternehmerkredit (037/047/Unternehmensalter über 5 Jahre)", jeweils als "KfW Sonderprogramm 2020". Zusätzlich wurde der "KfW-Schnellkredit 2020" (Unternehmen seit min. 01.01.2019 am Markt tätig) speziell für die Corona-Krise bereitgestellt.


Grundsätzlich gelten für Darlehn aus den oben genannten "KfW Sonderprogrammen 2020" die folgenden Eckdaten:


  • Unternehmen ist durch Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten und benötigt Kredit. Grundsätzlich ist man strukturell gesund und langfristig wettbewerbsfähig. In Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse gelten verschiedene Bedingungen.
  • Haftungsfreistellung bis zu 80%, 90% oder 100%. Die Haftungsfreistellung bezieht sich auf eine Garantie der KfW gegenüber dem durchleitenden Kreditinstitut. Ihr Unternehmen haftet voll für die Erfüllung der Verbindlichkeit.
  • Verwendung der Mittel grundsätzlich für Investitionen und Betriebsmittel (z.B. Warenlager, Miete, Personalkosten, Energiekosten, Aufwendungen für Werbung, Anmeldungen und Genehmigungen, Forschung und Entwicklung, Beratung, Mitarbeiterschulungen, eingeräumte Zahlungsziele, vorfinanzierte Aufträge)
  • Darlehnsbeträge begrenzt in Anlehnung an Jahresumsatz und Lohnkosten 2019, Liquiditätsbedarf 12/18 Monate, Anzahl Mitarbeiter
  • Darlehnszins je nach Programm aktuell zwischen nom. 1,00% bis 3,00% p.a.
  • Laufzeiten je nach Programm und Verwendung 2 bis 10 Jahre bei optional max. zwei Tilgungsfreijahren
  • Vorzeitige Ablösung je nach Programm mit oder ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich
  • Vorschriften für Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Fördermitteln/Zuschüssen sowie besondere Bedingungen und Ausschlüsse sind zu beachten. Umschuldungen innerhalb der Programme sind nur bedingt gestattet.
  • Risikoprüfung durch Hausbank/KfW sowie Besicherung und Erfordernis an Unterlagen je nach Programm unterschiedlich


Ergänzende Informationen für Unternehmen in existenzieller Schieflage erfahren Sie über die Links im weiteren Verlauf dieser Seite. Daneben bietet die KfW weitere Förderprogramme für Investitionen und Betriebsmittel sowie für andere Bereiche an. Informationen dazu erhalten Sie auf Anfrage.


Auch in 2020 habe ich zahlreiche KfW-Anträge mittelständischer Unternehmen begleitet. Dies mit einer Umsetzungsquote von 100%. Dabei hat sich die professionelle Aufbereitung von Antrag und ergänzenden Unterlagen bereits vor dem Bankgespräch sehr bewährt. Erstens wird dadurch die Bearbeitungszeit optimiert und zweitens halte ich dies für Ihre eigene Dokumentation im Falle einer späteren Prüfung für äußerst wichtig. Für die tagesaktuelle Prüfung Ihrer individuellen Situation und der möglichen Einbindung konkreter Programme sowie eine garantierte prozesssichere Umsetzungsbegleitung stehe ich Ihnen als gelernter Banker mit Erfahrung und Netzwerk zur Verfügung.


Beachten Sie bei der Beantragung von Förderdarlehn, dass sich die Erhöhung der Finanzverschuldung auf Ihr Banken-Rating, Ihre Bonität und auf Ihre Kapitaldienstfähigkeit auswirkt. Mit Ihrem Berater bei der Hausbank oder Ihrem externen Berater sollten Sie die Auswirkungen auf Ihr Unternehmen vor der Beantragung simulieren.


Die Förderbanken der Bundesländer stellen ebenfalls Mittel zur Verfügung. In NRW steht die NRW.Bank beispielsweise mit dem NRW.Bank.Universalkredit und dem NRW.Bank.Mittelstandskredit für Unternehmen mit Sitz in NRW bereit. Die Investitionen und Maßnahmen müssen einen nachhaltigen, wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen und einen positiven NRW-Bezug gewährleisten.


Darüber hinaus können die durchleitenden Institute verschiedene, vom Unternehmen abhängige, Haftungsfreistellungen bei den Bürgschaftsbanken der Länder beantragen. In NRW wurde der Rahmen für Ausfallbürgschaften (Klassik) gegenüber Kreditinstituten von 1,25 Mio. EUR auf 2,5 Mio. EUR angehoben. Im Hintergrund hat der Bund seinen Risikoanteil gegenüber den Bürgschaftsbanken erhöht. Bürgschaften über 2,5 Mio. EUR sind in NRW über das Land NRW darstellbar. Für die Express-Bürgschaft und die SchnellBürgschaft 100 (max. TEUR 250) strebt man eine Entscheidungszeit von drei Werktagen an, für die Sofort-Bürgschaft (max. TEUR 90) 24 Stunden. Je nach Bundesland ist die Beantragung einer Bürgschaft ohne Bank möglich. Aufgrund der aktuellen Kapazitäten bei KfW und Bürgschaftsbanken sollte die genaue Verfahrensweise im Tagesgeschäft vorher abgestimmt werden.


Für Unternehmens-Beteiligungen stehen einzelne Beteiligungsfonds der Landesförderinstitute bereit. In NRW ist das beispielsweise der Mikromezzaninefonds (Bürgschaftsbank NRW). Ebenso stellt man dort mit dem NRW.Bank.Spezialfonds (NRW.Bank) eine für ausgewählte Fälle geeignete Kapitalquelle zur Verfügung. Bei nur vorübergehenden Finanz- und Liquiditätsschwierigkeiten ist diese Option nur sehr bedingt empfehlenswert.


Bei Erfüllung der Voraussetzungen können Sie weitere Überbrückungshilfen und außerordentliche Wirtschaftshilfen aus dem Konjunkturpakte 2020 beantragen.


Ausgewählte Links, auf Landesebene exemplarisch für NRW. Weitere Länder bieten ebenso Unterstützung an, die Sie auf den entsprechenden Webpräsenzen finden.


https://www.bmwi.de/Navigation/DE/Home/home.html

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html

https://www.wirtschaft.nrw/

https://www.nrwbank.de/de/corporate/presse/corona-hilfe-nrwbank.html

https://www.bb-nrw.de/de/aktuelles/news/detail/Buergschaftsbank-und-NRW.BANK-helfen-Unternehmen-bei-Finanzierungsbedarf-durch-die-Corona-Krise/

(Alle Angaben zu Fördermöglichkeiten Stand Februar 2021, ohne Obligo)


 

4. Empfohlene Unterlagen


Die Anforderung an notwendige Unterlagen unterscheiden sich je nach Kreditantrag und abhängig von der Einbindung der KfW Sonderprogramme 2020. Dennoch sollte das erste Gespräch bei Ihrer Bank sitzen! Neben der fundierten Vorbereitung empfehlen sich in der Regel die folgenden Unterlagen:


  • Endgültiger Jahresabschluss 2017, 2018 und 2019, vorläufige Zahlen für 2020
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung aus dem laufenden Jahr inklusive Summen-/Saldenliste und Vorjahresvergleich (mit Angaben über Bestandsveränderungen, sofern vorhanden)
  • Aktueller Bankenspiegel inkl. Angabe Linien/Darlehn, Inanspruchnahmen/Restvaluta, Besicherung, Kapitaldienst
  • Aktuelle und bereinigte OPOS-Liste Debitoren und Kreditoren
  • Liquiditätsplan 2021 (für die kommenden Wochen auf Wochenbasis, danach auf Monatsbasis)
  • Ertragsvorschau 2021 und 2022 mit verschiedenen Szenarien
  • Beschreibung der Auswirkungen COVID-19 auf Ihr Unternehmen
  • Erläuterungen Ihrer erfolgten und vorgesehenen Maßnahmen im Hinblick auf COVID-19
  • Vorschlag zur Einbringung eigenen Kapitals/zusätzlicher Sicherheiten
  • Vorschau zu Ihrer möglichen Positionierung nach der Krise



Ergänzend zu den genannten Themen sollten Sie in Absprache mit Ihrem Versicherungsberater und Juristen etwaige Erstattungsansprüche klären, die beispielsweise aus der Betriebsunterbrechungsversicherung oder aus einer Lohnkostenerstattung bei Quarantäne bzw. Beschäftigungsverbot resultieren können.



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